Nun
ist schon mehr als die Hälfte des Semesters rum! Unglaublich… In
zwei Monaten reisen die meisten Erasmus-Studenten schon wieder ab.
Und ich werde hier bleiben, gemeinsam mit ein paar wenigen anderen,
und mich darauf freuen, dass es endlich richtig los geht! Tatsächlich
kann ich nämlich erst jetzt ehrlich sagen: Ich bin angekommen. Ich
kann mich inzwischen relativ problemlos und fließend auf Französisch
unterhalten (habe sogar schon Lob von Franzosen bekommen :D ), kann
endlich zu einem großen Teil den – mitunter durchaus interessanten
– Vorlesungen und Seminaren folgen (und auch einigermaßen
sinnvolle Mitschriften produzieren :D ) und lerne langsam immer mehr
nette Franzosen kennen. (Kontakte mit den Einheimischen zu knüpfen
ist ja hier für gewöhnlich eine große Herausforderung für uns
Internationals…)
Mit dieser Woche habe ich auch meine ersten Prüfungen hinter mir,
wobei ich damit relativ spät dran war, denn viele hatten die ersten
Tests schon vor zwei oder drei Wochen. Auf alle Fälle sind hier in
Frankreich im Rahmen der TDs sogenannte „contrôles continus“
üblich, d.h. die Gesamtprüfungsleistung wird in mehrere, über den
Lauf des gesamten Semesters verteilte, Teilprüfungen aufgespalten. (Die Module bestehen in Frankreich aus CMs, „Cours magistraux“, also Vorlesungen, und TDs, „Travaux dirigés“, welche etwa unseren Übungen entsprechen.) So hatte ich also am Montag die erste von drei Klausuren im
Sprachkurs Spanisch (zwei davon schriftlich, eine mündlich), die
sich jedoch relativ easy angefühlt
hat. Es kommt mir so vor, als wäre das Niveau hier überhaupt nicht
mit deutschen Unis vergleichbar, denn während bei uns Sprachkurse
echt hart sind und in den Klausuren viel Grammatik & co.
abgefragt wird, bestand die Teilprüfung hier lediglich aus
Hörverstehen, Textverstehen und Textproduktion. Bei letzterem lag
dann auch mein einziges Problem, da ich hier in Frankreich in
extremen Ausmaßen dazu neige, die beiden Sprachen zu vermischen.
Dass die Spanisch-Dozentin die meiste Zeit Französisch spricht,
macht mir die Sache dabei nicht gerade einfacher… Meine nächste
Prüfung war dann ein Essay von etwa 1800–2000 Wörtern für die TD
„Œuvre d'un corpus dramatique“.
Konkret werden in diesem Seminar, welches von Drittsemestern besucht
wird, verschiedene europäische Dramen des Naturalismus behandelt;
die Aufgabe für den Essay war dabei die Analyse einer Szene aus
August Strindbergs Mademoiselle Julie (Originaltitel
auf Schwedisch: Fröken Julie).
Zumindest bekomme ich so langsam etwas Übung darin, längere Texte
auf Französisch zu verfassen, was mir dann auch direkt in meiner
nächsten Klausur, der ersten von zwei sogenannten Dissertations
in einem kulturwissenschaftlichen Seminar für Fünftsemester, zugute
kam. Dieser Klausurentyp ist im Grunde sehr simpel: Man bekommt ein
Thema bzw. eine oder mehrere Quellen und muss dazu in der gegebenen
Zeit (in meinem Fall zwei Stunden) einen Aufsatz verfassen. Man hat
allerdings keine konkrete Fragestellung oder dergleichen, das muss
alles selbst erarbeitet werden. Da ich (natürlich) mein
Französischwörterbuch verwenden durfte, hat das schreiben auch ganz
gut funktioniert… ob ich das ziel der nicht vorhandenen Aufgabe
auch erreicht habe, oder einfach komplett dran vorbei geschrieben
habe, sehen wir dann. Diese TD heißt „L'imaginaire
du crime“ und in der Dissertation
bekamen wir als Gegenstand
der Analyse kurze Ausschnitte
aus IT (1990), der
Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stephen King, der bekannten
Serie American Horror Story (seit
2011) und einer Fernsehreportage zu sehen, die alle durch das
gemeinsame Element des Killerclowns miteinander
in Beziehung standen. Ich bin gespannt, wie meine teilweise
durchaus
abenteuerlichen
Interpretationen dieser Horrorfigur bei
unserem
Dozenten ankommen ;)
Abgesehen
von dem Unistress bin ich fleißig am Kontakte Knüpfen. So habe ich
beispielsweise vor der Ferien (letzte Woche) das Café
des langues für mich
entdeckt: Ein wöchentlicher Stammtisch für alle
Sprachenbegeisterten in einem der örtlichen Irish Pubs, wobei stets
Franzosen ebenso
wie Internationals
verschiedenster Muttersprachen anwesend sind. Eine
super Gelegenheit, um auf Französisch (oder auch Deutsch, Englisch,
Spanisch, etc.) zu diskutieren! Einen
Partner für ein Deutsch-Französisch-Tandem habe ich nun auch
gefunden, und merke langsam: Französisch reden fällt mir immer
leichter! *Jubel* :)
Der
Herbst ist inzwischen auch in Nancy eingezogen und – was für ein
Wunder – es regnet viel, viel weniger als im Sommer! Da macht es
natürlich gleich viel mehr Spaß, die wundervolle Farbenpracht der
zahlreichen Parks und Gärten zu genießen…
Bis bald!
~ Sandra
![]() |
@ Parc de la Pépinière, Nancy |
Now that more than half of the semester is over, I can not really believe it… Two months from now most of the other Erasmus students will leave this beautiful little city. And what about me? I will stay, together with some few others, and I will be excited about the real start of my adventure. Actually, it is only now that I can say honestly: I have finally arrived. Because now, I can talk French without too much problems and relatively fluently, I am able to follow most of the – now and then quite interesting – lectures and courses, and I meet more and more nice French people.
This week I sat my first exams, but many others already had their
first exams two or three weeks ago. Within the scope of the TD, so
called “contrôles continus” are common practice, i.e. the final
score is composed of two or three mid-term exams that are spread over
the whole semester. (The French modules are composed of CM, “Cours
magistraux”, means lectures, and TD, “Traveaux dirigés”, a
kind of exercise courses.) Monday I had the first of three exams in
my Spanish course (two written, one oral), that felt relatively easy.
The standard of language teaching here in France does not seem
comparable to German universities, because in Germany you have to
learn very much grammar and vocabulary and the exams are really hard,
while the exam here merely consisted of listening and reading
comprehension, and text production. The latter was my only problem,
because here in France I tend extremely to mix the two languages. The
fact that the Spanish teacher speaks French all the time does not
make it easier for me… The next exam was an essay of approximately
1800-2000 words, being part of the TD “Œuvre d'un corpus
dramatique”. In this seminar of the third semester “Lettres
modernes” we analyse various European naturalistic dramas; the
essay should be an analysis of a particular scene of August
Strindberg's tragedy Mademoiselle Julie (original Swedish:
Fröken Julie). At least I get used to compose longer texts in
French, so my next exam, the first of two so-called dissertations
in a fifth semester course of cultural studies, was not too hard for
me. This type of exam is quite simple: You get a topic or some
resources on whose basis you have to write an essay within a given
time period. Since I was allowed to use my French dictionary
(self-evident), the writing itself went quite well… we will see if
I succeeded in solving the complex of problems. This TD is entitled
“L'imaginaire du crime” and in the context of the dissertation
we hat to relate and analyse short sections of IT (1990),
the film adaption of Seven King's famous novel, the series American
Horror Story (since 2011), and a television report, that where
all connected with one another by the common element of the evil
clown. I can not wait to find out what my teacher thinks of my
partially venturesome interpretations of this horror character ;)
Apart from the stress of university I am diligently socialising. For
example, two weeks ago, I discovered the Café des langues: A
group of regulars meeting weekly in one of the local Irish Pubs to
practice all kinds of languages. A great opportunity to debate in
French (or German, or English, or Spanish…)! I also found a tandem
partner for a German-French tandem; and slowly I notice that speaking
French gets easier and easier! *Rejoice* :)
@ Parc de la Cure d'Air, Nancy